Stains on White linens
installation, photography, inkjet print on plexiglass glass, concrete, metal, fabric, dianthuses, tissues, 2026. 


   

   

   

   

   


Inspiration für die Arbeit “Stains on White linens” stammen aus dem einzigen Kurzfilm des Schriftstellers Jean Genet, in welchem zwei Häftlinge versuchen, durch ein winziges Loch in der Mauer zwischen ihren Zellen miteinander in Kontakt zu kommen – beobachtet und sanktioniert durch den eifersüchtigen Blick eines Gefängniswärters. Das subversive Moment des Films speist sich gerade aus der Erotisierung der Gefängniszelle und der Wand, nicht nur als Ort der Begrenzung, sondern auch als Ort der Kommunikation und des Ausbruchs. Das Loch in der Wand erinnert dabei gerade an die schwule Architektur des „glory holes“. 

Die Arbeit verlagert den Moment des Eingesperrtseins von der Gefängniszelle in die psychiatrische Anstalt und hinterfragt die Institutionalisierung weiblicher Körper inmitten des hoch strukturierten Alltags einer psychiatrischen Anstalt, welche keinerlei Privatsphäre zulässt. Jedes Objekt ist, kontextualisiert durch die Klinik, sowohl von persönlicher, als auch von forensischer Funktion. 

Die persönlichen Gegenstände der Insass*innen werden begutachtet, verwahrt und weggeschlossenen, sie bilden so ein Moment des Widerstands: sie sind unordentlich und allzu intim, sie negieren eine Ordnung, die sich dem Persönlichen radikal verweigert. Die Gefahr der alltäglichen Objekte für die klinische Ordnung liegt dabei gerade in ihrer Brechung und potentiellen Bedeutung. So bergen Schnürsenkel die Gefahr der Selbstverletzung, Muskatnuss oder Backhefe werden zum Substitut konsumierender Insassinnen, selbst der persönliche Geruch eines Parfümpröbchens wird unter den Augen des Anstaltspersonals sanktioniert. Jedes Objekt birgt ironisch gebrochen die Gefahr von Sabotage, Flucht, Selbstverletzung oder Vandalismus. Und selbst eine Beschmutzung wird zum Prostest erhoben: der Lippenstiftrest auf dem Spiegel, die kleine Zeichnung neben dem Bett, der fettbefleckte Ärmel einer Jacke wird zum reliquienartigen Artefakt.

In der Arbeit “Stains on White linens” dient die Wand als Begrenzung und Befreiung zugleich. Sie wird eingerichtet und personalisiert, durch Bilder oder persönliche Gegenstände. Dabei fungieren Inschriften als Archiv verschwiegener Geschichten, die vom Diskurs der Mehrheitsgesellschaft übersehen werden. Der mit Metallklammern befestigte Stoff legt den Fokus gerade auf das Loch und feminisiert die Wand als solche. Dabei stellt sich die Frage, inwiefern eine Liebesgeschichte zweier Insassinnen gedacht werden kann. Dabei verhalten sich das gesprochene Wort, die oral histories oder herstories zum Mehrheitsdiskurs der Gesellschaft wie etwas, was die Literaturwissenschaftlerin Ann Cvetkovich als "Archive of Feelings“ bezeichnet. Cvetkovich nimmt gerade die intimen Prozesse queerer Geschichtsschreibung in den Blick: Es sind die persönlichen Empfindungen, die spontanen Ereignisse im Alltäglichen, die sanften Bekenntnisse der Solidarität, widerständige Äußerungen des Populären, in welchen sich queeres Begehren entziffern lässt.

Die Screenshots stammen aus dem Film „Road to Life“ aus dem Jahre 1931. In der besagten Szene tritt ein Straßenmädchen auf, welches sich vor einem kommunistischen Tribunal als „Streetwalkerin“ outet. Feminine Schizophrenie und venerologische Krankheiten wie Syphilis wurden nach damaliger Auffassung in eins gesetzt.